Tod von Olga E.: Eine lange Geschichte der Demütigungen

Landgericht Osnabrück: Totschlag in minderschwerem Fall?

Osnabrück (kno) – Keine leichte Aufgabe steht für die 6. Große Strafkammer in der nächsten Woche an. Sie muss entscheiden, welche der Tatversionen bezüglich des Todes von Olga E. sie ihrem Urteil zu Grunde legen. War es ein Totschlag in einem besonders schweren Fall, wie es der Staatsanwalt festgestellt hatte?. Oder war es gar ein Mord, wie der Nebenkläger konstatierte? Oder handelte es sich um einen Totschlag in einen minderschweren Fall, wie es die beiden Verteidiger des angeklagten Ehemanns der Getöteten, Waldemar E. in ihren Plädoyers durchaus nachvollziehbar darlegten?

 

Rechtsanwältin Sandra Töniges fasste zusammen, was in der Beweisaufnahme über dessen Lebenssituation der Familie E. bekannt geworden war. Zunehmend sei der 47-Jährige familiär  isoliert worden. Er sei kein Familientyrann gewesen, sondern habe sich für die Familie aufgeopfert. So habe er für neben seiner Berufstätigkeit begonnen ein weiteres Haus zu bauen, damit seine Tochter nach GM-Hütte ziehen könne. Seine Ehefrau habe dann ein neues Verhältnis mit einem auch ihm bekannten Bauhelfer angefangen. Sie habe sich in der Folge von ihm getrennt, sich wieder mit ihm versöhnt, wieder getrennt, sei dann kurz vor der Tat bei ihm eingezogen und habe dann endgültig ihre Koffer gepackt. Seine Frau, so Töniges, habe es nicht ertragen, dass auch ihr Mann sich anders orientierte und eine Frau zu sich einlud, als beide getrennt lebten. Sie habe randaliert und dafür gesorgt, dass die Freundin des Mannes verschwand. Massiv habe sich auch die Tochter in das Verhältnis ihrer Eltern eingemischt und ihren Vater beschimpft und die Mutter bedrängt sich von ihm zu trennen. Eine lange Geschichte der Demütigungen sei es gewesen, die schließlich zu der Affekttat am Morgen des 26.10. 2010 geführt habe. Die rechtliche Einordnung der Tat nahm der zweite Rechtsanwalt des Angeklagten, Jens Meggers vor. Ausgangspunkt der Mordanklage sei die Aussage eines dubiosen Zeugen gewesen, der sich nach der Berichterstattung durch die Zeitung gemeldet habe, weil er die Tat angeblich beobachtet hätte. Dieser Zeuge hatte vor Gericht seine Aussage verweigert. Aus Sicht des Verteidigers sei keines der benannten Mordmerkmale erfüllt. Von Heimtücke könne keine Rede sein, da Waldemar E. seiner Frau nicht aufgelauert habe, um sie umzubringen, sondern nur, wie schon des Öfteren in ihrem Auto mit ihr zu reden. Er habe sich zu ihr ins Auto gesetzt und ein Gespräch begonnen. Die Situation sei erst eskaliert, als seine Ehefrau ihm gesagt habe: „Verpiss dich aus meinem Leben. Er ist 1000 mal besser als du. Auch im Bett.“ Zum ersten Mal sei Waldemar E. dann gewalttätig geworden und habe das Messer gezogen, was er nach Drohungen des Nebenbuhlers gegen ihn zum Schutz dabei gehabt habe. Noch einmal beschäftigte sich Meggers ausführlich mit dem, aus seiner Sicht fehlerhaften psychiatrischen Gutachten. Es sei nicht von einem mehraktigen Tatgeschehen auszugehen, das minutenlang andauerte. Meggers: „Was kann in einer Minute alles geschehen?“ Als der ruhige Anwalt dann auf die Rolle der Familie bei der Entwicklung der, aus seiner Meinung nach vorliegenden Affekttat zu sprechen kam und aufzeigte, dass die Ehefrau „ihren Mann wie einen Bären am Nasenring“ herumgeführt hatte, rastete die Tochter (geplant ?) aus und verließ wutschnaubend und schimpfend den Gerichtssaal. Ihr folgten, wie nach einem Kommando 3 ältere Frauen, die sich zuvor schon einen Ordnungsruf wegen Störens eingehandelt hatten. Jens Meggers betonte daraufhin die Rolle der Verteidigung in einem Prozess: „Es geht nicht um eine Rechtfertigung der Tat. Wir haben die Aufgabe zu zeigen, wie es zu dieser menschlichen Tragödie kommen konnte.“ Die Verteidiger beantragten eine Verurteilung ihre Mandanten wegen eines Totschlags in minderschwerem Fall (§212, STGB) eine Haftstrafe von 5 Jahren.  Urteilsverkündung: Freitag, 22.7.2011 um 12 Uhr.

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